“Os Gemeos” – Bildband

   IMG_5100Die Augen fangen an zu flimmern, wenn man zu lang auf das aktuelle Os-Gêmeos-Buch starrt. Und man kriegt so ein unbestimmbares brasilianisches Gefühl mit diesem Buch am Strand. Die Sonne brennt, die Farben lachen und die Leute am Nacktbadestrand um mich herum sehen wirklich so aus, wie Os Gêmeos sie immer malen – mit ihren Brotgesichtern, ihren Waschbär-Bäuchen und den ganzen nackten Pimmeln.

Er ist zwar schon zwei Monate alt, aber trotzdem wollen wir den neuen Band kurz für euch besprechen, der bei Gingko Press erschienen ist und der sich dem künstlerischen Werk der sicherlich bekanntesten brasilianischen Graffitisprüher widmet. Wir haben dafür auch ein kostenloses Rezensionsexemplar bekommen.

Es sind 120 knallbunte Fotos auf 144 Seiten, den einzelnen Werken wird also reichlich Platz eingeräumt und man kann jede Menge Details entdecken. Das Buch ist im Anschluss an die Ausstellung der beiden Brasilianer 2012  in Boston entstanden, legt aber Wert darauf, nicht nur ein Ausstellungskatalog zu sein. Ob das auch stimmt? Mal sehen. Jedenfalls gibt es neben vielen bunten Leinwänden auf den letzten zwanzig Seiten auch Straßenbilder und Züge der beiden zu sehen.

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Porno gibt’s woanders

Das Vorwort stellt Os Gêmeos in eine Reihe mit den bekanntesten brasilianischen Künstlern (von Oiticica bis Clark und auch dem gehypten Artur Bispo do Rosario). Die weniger künstlerischen Einflüsse auf den Stil von Os Gêmeos werden unter den Teppich gekehrt (so wie Mangas, Pornos oder Stylewriting). Wer so etwas sucht, der dürfte eher im Internet, auf dem Instagram-Account, von Os Gêmeos fündig werden. Was bei diesem Buch noch nervt, sind die Katalogangaben (es ist keine Kuliskizze, es ist ein „Untitled. 2007. Ink on paper“) Außerdem wurden einige Werktitel schlecht übersetzt, scheinbar um es dem Betrachter einfacher zu machen („Foto preto e branca“ heißt eben nicht „Photo of blacks and whites“, sondern erstmal nur „Schwarz-Weiß-Foto“).

Das ganze Buch ist halt doch ein Kunstkatalog (auch wenn die Jungs von Ilovegraffiti das anders sehen) – aber als Kunstkatalog ist es wunderbar. Besonders spannend ist es, zu sehen, wie im Os-Gêmeos-Kosmos die selben Figuren in einem Moment noch auf einem brasilianischen Volksfest auftauchen und im nächsten Moment stehen sie in einem New Yorker U-Bahndepot. Die Fotos sind hochwertig, die Farben leuchten und das Paperback überlebt bestimmt auch noch den nächsten Strandausflug.

Pedro Alonzo / ICA Boston: Os Gemeos. Gingko Press. 2013. 25 Euro

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