TS: Taeter-Tourismus – Vandalen reisen organisiert nach Berlin

Der Tagesspiegel mit einem Artikel ueber Tourismus und Graffiti in Berlin:

Nach Berlin reist man nicht nur, um das Brandenburger Tor zu sehen oder ins Berghain zu gehen. Eine ganze Gruppe Jugendlicher kam nur in die Hauptstadt, um Bahnen und Busse der BVG zu beschädigen – kein Einzelfall.

Berlin lockt – und zieht Touristen aus aller Welt an. Aber auch Übeltäter fühlen sich in der Stadt wohl. Nach Angaben der BVG gibt es inzwischen organisierte Fahrten mit dem Ziel, hier Schaden anzurichten: durch Graffiti an Fahrzeugen und in Bahnhöfen, aber auch durch mutwilliges Zerstören von Sitzen, Haltestangen oder Scheiben. Vor kurzem sei eine Gruppe Jugendlicher aus Südeuropa festgenommen worden, die nachweislich nur das Ziel gehabt hätten, Fahrzeuge der BVG zu beschädigen, sagte U-Bahn-Chef Christian Kaiser am Donnerstag. Die Überwachung in Berlin werde von der Szene als lasch eingestuft.

5,5 Millionen Euro muss die BVG nach eigenen Angaben jährlich allein bei der U-Bahn aufwenden, um mutwillig angerichtete Schäden zu beseitigen.

Allein zwei Millionen Euro wegen Schmierereien und rund eine Million Euro, um aufgeschlitzte Sitze zu ersetzen.

Kein Fahrzeug bleibe verschont, egal, ob alt oder neu, klagte Kaiser. Auch den schönen Zug, den BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta am Donnerstag vorstellte, werde es bald erwischen, befürchtet Kaiser.

Geld für neue Bahnen fehlt

Weil Geld für neue Fahrzeuge fehlt, saniert das Unternehmen jetzt Züge, die zum Teil schon fast 40 Jahre auf dem Buckel haben. Neu eingebaute Technik macht die Bahnen leiser und sicherer. Unter anderem erhalten sie einen modernen Einklemmschutz an den Türen und Tasten in Brailleschrift. Ob vandalismusresistentere Hartschalensitze eingebaut werden, sei nicht entschieden, sagte Nikutta. Hier werde es noch ein Probesitzen auch mit Fahrgästen geben.

Das Sanierungsprogramm für 182 Wagen ist mit 77,5 Millionen Euro veranschlagt; 12,5 Millionen Euro steuert der Senat aus einbehaltenen S-Bahn-Mitteln bei. 2019 soll das Projekt abgeschlossen sein. Die erneuerten Bahnen sollen dann weitere 20 Jahre fahren. Am Ende werden sie fast so alt sein wie einst die Oldtimer der S-Bahn.